Volksgruppe: Afro-Bolivianer
Sprachfamilie: Spanisch
Ansässig: im Departement La Paz, den Provinzen Nor Yungas und Sud Yungas, in den Ortschaften Chulumani, Coroico, Coripata, den Gemeinden Chicaloma, Mururrata, Tocaña, Coripata, Dorado, Chico Chijchipa, Negrillani.
Ursprung: Die Afro-Bolivianer wurden aus Afrika nach Südamerika gebracht, um unter unmenschlichen Umständen in den Silberminen in und um Potosi zu arbeiten. Dabei waren sie gezwungen, die Kälte und auch die Höhenlage von 4200 m über dem Meeresspiegel zu ertragen, Umstände, die für die Afrikaner sehr ungewohnt waren. Nach dem Niedergang der Minen gingen die Afrobolivianer dann in die Yungas nahe La Paz, wo sie die Techniken des Kokaanbaus erlernten. Die Haciendabesitzer in den Yungas hatten großen Bedarf an Arbeitskräften , und so wurden die Afrobolivianer in der Landwirtschaft eingesetzt, wo sie auch wie Sklaven ausgebeutet wurden. Am 2. August 1953 wurde durch den Gesetzeserlaß Nr. 3464 das Pongueaje y Mitaje-System, ein System der Zwangsarbeit und des Arbeitsdienstes abschafft. Somit wurden die Afrobolivianer von ihrer Sklavenarbeit befreit und ihnen wurde Land zuerkannt, auf welchem sie noch heute leben und arbeiten.
Soziales System: Die soziale Ordnung der Afrobolivianer basiert auf der Kernfamilie, also der familiären Einheit. Es zeigen sich starke Bindungen zwischen den Mitgliedern, vor allem auch aufgrund der durch ihre Hautfarbe bedingten Ausgrenzung. Hierdurch zeigt sich die in sich geschlossenen ethnische Organisation, innerhalb derer immer noch Bestandteile ihrer alten Kulturen aufrecht erhalten werden.
Kulturelle Aspekte: die indigene Volksgruppe der Afrobolivianer hat starke kulturelle Wurzeln, die bis zu ihren aus Afrika emigrierten Vorfahren reichen, sie beinhalten das Leid ihres Volkes während der Sklaverei in Potosi genauso wie die natürliche Vermischung mit dem Aymara.
Die Saya ist die wahrhaftige kulturelle und musikalische Ausdrucksweise der Afrobolivianer, hier spiegeln sich die soziale Unruhe, die Freude, der Schmerz und auch Kritik in den sich reimenden Strophen wieder. Begleitet werden sie vom Rhythmus afrikanischer Trommeln, während die hintergründigen Strophen abwechselnd einzeln und im Chor vorgetragen werden. Es ist eine Art Musik, die bei vielen indigenen Völkern auch die Ernten, die Arbeit und auch die Feiertage der Gemeinschaften untermalt.
Die Sprachen und verschiedenen Dialekte, die Musik, der Ausdruck und das Wesen der Afrobolivianer sind eine einzigartige Mischung aus Afrikanern, Aymara und kreolischen Mestizen.
Religion und Mythologie: Neben starken katholischen Einflüssen gibt es bei den Afrobolivianern auch immer noch Elemente von Macumba- und Voodoo-Ritualen, besonders in den Orten Chicaloma und Mururata leben immer noch die alten Traditionen fort, wenn sich die Namen auch geändert haben und / oder ganz in Vergessenheit geraten sind.
Land und Landbesitz: Wenige Afrobolivianer sind auch die offiziellen Besitzer ihrer Ländereien, und die gemeinschaftlich genutzten Flächen waren früher im Besitz ihrer Herren. Es muß hier auch erwähnt werden, daß ein Großteil der afrobolivianischen Bevölkerung in den städtischen Gebieten von La Paz und Santa Cruz lebt.
Wohngebiete: Sie leben in den Yungas, den tropischen Gebieten der Region La Paz, auf einer Höhe von 200 bis 800 m über NN, die Durchschnittstemperatur in diesen Gebieten liegt über 17C und die jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 2000 mm.
Wirtschaft und Produktion: Die hauptsächliche wirtschaftliche Aktivität der Afrobolivianer ist die Landwirtschaft, wobei sie das System von roza, tumba y quema betreiben (roden, umgraben und abbrennen). Hauptsächlich wird Koka angebaut, und diese Pflanze auch die Basis ihrer Wirtschaft und Haupteinnahmequelle. Darüber hinaus werden aber auch Kaffee, Zitrusfrüchte, Bananen, Yuca, Papaya und Getreide für den Eigenbedarf angebaut.
Koka kann sogar noch gepflanzt werden, wenn die Erde schon ausgelaugt ist, die Lebenserwartung dieser Pflanzen beträgt ca. 30 Jahre.
Die angebauten Kaffeepflanzen sind von der wenig ertragreichen Sorte Arabica, deren Vorteil aber in der grossen Resistenz gegenüber ausgelaugten Boden und unregelmäßigem Niederschlag besteht. Es ist keine gesonderte Aufzucht der Pflanzen nötig, sie können direkt auf den Kaffeeplantagen ausgesät werden und wenn sie die richtige Größe erreicht haben, werden 3 bis 4 Pflanzen in jeweils ein großes Planzloch eingesetzt. Dies geschieht im Zeitraum von Januar bis März. Nach der Kaffeeernte werden die selben Flächen zum Anbau von Bananen, Yuca, Papaya und anderen Früchten genutzt.
Kommerziell angebaute Produkte: Koka, Kaffee, Zitrusfrüchte, Bananen, Yuca und Papaya.
Ökonomische Grundaktivitäten: Landwirtschaft, Anbau von Früchten und Kaffee, Herstellung und Verkauf von handwerklichen Arbeiten
Mitgliedschaften in den folgenden Organisationen: ACOPCA; ADEPCOCA (Interessensvertretungen der Koka und Kaffebauern)
Quelle: http://www.amazonia.bo/mas_detalle_proi.php?id_contenido=1 |