Bis zum heutigen Tage jedoch sind diese Reformen willkürlich und unzuverlässig umgesetzt worden. Von den 66 Mio. Hektar Land, die bis 1992 vergeben wurden, kamen beinahe 90% den Interessen verschiedener Verbände in den Tropischen Gebieten im Osten des Landes zugute, während nur gut 10% des Landes den Bauern und Indigenas im Westen Boliviens zur Verfügung gestellt wurden. 1
Etwa ein Drittel der ca. 9 Mio. Bolivianer lebt in ländlichen Gebieten, viele von ihnen kämpfen auf ihren kleinen Parzellen, die durch jahrelange intensive Bewirtschaftung ausgelaugt sind, um ihr Überleben. Momentan liegt die Kontrolle über große Landflächen in der Hand einer kleinen Elite, während die Bauern und die indigene Bevölkerung nur Zugang zu einer sehr geringen Landfläche hat. Laut einer Studie der UN (Oktober 2005) werden 5 Mio. Hektar Land von 2 Mio. Bauern bewirtschaftet, während 100 Familien 25 Mio. Hektar Land kontrollieren. Um die 25.000 Bauern haben gar kein Land zur Verfügung.2
Die massive Konzentrierung großer Ländereien im Osten des Landes, die teilweise in der Größenordnung von über 100.000 Hektar liegen, sind Vermächtnisse früherer Regierungen. In der Zeit der Diktatur unter Banzer wurden z. B. 12 Mio. Hektar Land verteilt, unter anderem mit Einzelkonzessionen für 70.000 und bis zu 120.000 Hektar große Flächen.3 Heutzutage kann man „mit Glück“ eine einzelne Kuh sehen, die auf einem 50.000 Hektar großen Grund weidet.4
Unter der neuen Regierung von Evo Morales Ayma setzt sich das INRA aktiv für die Fortsetzung des ins Stocken geratenen Prozesses der Agrarreformen ein. Im Rahmen eines Pilotprojektes in der Gemeinde Tiwanaku, der Wiege der ursprünglichen Volker des Altiplano, wurden im März 2006 ca. 15.000 Hektar Land, eingeteilt in 226 Parzellen, an die Bevölkerung vergeben. Die Mitarbeiter des INRA haben die Notwendigkeit einer baldigen Agrarreform erkannt und möchten daher durch die Arbeit der Regierung die Bauern und die indigene Bevölkerung in den sozialen Prozeß mit einbeziehen.
Für weitere Informationen steht Ihnen die offizielle Homepage des INRA zur Verfügung http://www.inra.gov.bo
1. Basiert auf einer Studie von Carlos Romero, Direktor der Organisation für Rechtsberatung für Bauern und Indigenas CEJIS.
2. UN Development Report, Oktober 2005.
3. Siehe Miguel Uriste, Direktor der Fundación Tierra (Landstiftung): Bolivia, The conflict for Land is the Conflict for Power, Februar 2005, 1.
|