Karneval in Oruro
 
 
 
Mama Coca führte ihn an die Macht
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Obwohl er seit frühester Kindheit arbeitete, ging Evo weiterhin zur Schule und fand noch Zeit, sich dem Fußball zu widmen. Seit dieser Zeit konnte man bei ihm schon seinen besonderen Sinn für Humor und seine Führungsqualitäten erkennen.

Evo als Musiker

"Seit ich klein war habe ich andere mobilisiert und organisiert. Als ich im ersten Schuljahr der Escuela Seccional de Calavilca war, ließ uns der Lehrer einen Esel malen. Ich habe meinen Esel gezeichnet und dann in den Nationalfarben rot, gelb und grün angemalt. Dies wurde zu einem Scherz für das gesamte Schuljahr: „Evos Esel ist rot, gelb und grün“. Im Alter von 13 oder 14 Jahren gründete ich in meiner Gemeinde eine Fußballmannschaft, die sich Fraternidad, also Brüderlichkeit nannte, und wir nahmen an Turnieren teil. Ich war Mannschafts-kapitän, Sprecher und Schiedsrichter. Ich war so etwas wie der Besitzer des Teams. Ich mußte Schafe und Lamas scheren und mein Vater, der sehr sportbegeistert war, half mir dabei, wir verkauften die Wolle um Bälle und Fussbaltrikots zu kaufen. Als ich 16 war, wählten mich die Sprecher der drei Stämme unserer Gemeinde zum Trainer des Fußballteams unseres Kantons."


Die Schüler des dritten und vierten Schuljahres der Unidad Educativa Central Orinaca, wo Evo zur Schule ging, machten damals einen Ausflug zum Palacio Quemado, dem Parlamentssitz in La Paz. Leider gestatteten die Mitarbeiter der Abteilung für Protokoll und Kommunikation es den Schülern nicht, mit dem Regierungschef zu sprechen. Während die Schüler darauf warteten, mit den Amtsinhabern zu reden, sagte der damals 15-jährige Evo laut Erzählungen seiner Kusine Adela Ayma: „Eines Tages werde ich Präsident sein“ und teilte seinen Mitschülern mit „und ihr werdet meine Minister“. Und um dem Ärger über den scheinbar so überfüllten Zeitplan der Regierung Luft zu machen, fügte er hinzu: „ wenn ich Präsident bin, wird man mich einfach erreichen können“.

Um seine Schullaufbahn fortsetzen zu können, ging Evo nach Oruro, wo er als Bäcker, Trompeter und in der Ziegelherstellung arbeitete. Er spielte in der Musikgruppe Banda Real Imperial und dieses Engagement gab ihm die Möglichkeit zu reisen und verschiedenste Erfahrungen zu machen. „Eins der wohl beeindruckendsten Erlebnisse verbinde ich mit meiner Reise zu den Bergbau-zentren im Süden von Potosí. Wir besuchten dort die Bergbaugesellschaft Quechisla. Ich war damals 16, noch ein ziemlicher Spassvogel und habe viel erlebt“.

Bis zum elften Schuljahr besuchte er die Schule und leistete danach seinen Wehrdienst in La Paz, im Estado Mayor. Zu dieser Zeit erlebte er die Staatsstreiche von Juan Pereda Asbun( 1978) und David Padilla Arancibia( 1978). Nachdem er das Militär wieder verlassen hatte, kehrte er in seine Gemeinde zurück und arbeitete in der Landwirtschaft. Aber die Natur veränderte das Leben der Familie Morales und aller Bewohner der Gemeinde Orinoca. Im Jahr 1980 vernichtete das Naturphänomen „El Niño“ 70% der landwirtschaftlichen Produktion und 50% des Viehbestandes. Eines Tages, nachdem wir gerade mit vielen Helfern die Kartoffelfelder gepflügt hatten, kam in der Nacht ein starker Wind, der Frost mit sich brachte. Am nächsten Tag waren die Kartoffelpflanzen zerstört, sie waren schwarz und stanken. Meine Mutter weinte den ganzen Tag, während mein Vater mit meinen Onkeln entschied: „hier werden wir es nie mehr zu etwas bringen und wohlhabende Bauern werden, wir müssen uns Land im Osten Boliviens suchen“.

Kurze Zeit später begab sich die Familie Morales auf die Reise in den Tropico, die tropischen Gebiete des Departements Cochabamba, um in einem Ort namens San Francisco ein neues Leben als Siedler zu beginnen.